Die Friseurin schaut mich über den Spiegel ernsthaft an. Ihr Blick auf mein immer dünneres Haar verriet schon alles, aber sie nahm ihre professionelle, fröhliche Haltung wie immer wieder an, wie Friseure das immer tun. Sie hatte mich gerade gefragt, wie kurz mein Haar werden sollte.

Ich hatte mich zu Hause schon im Spiegel angesehen und hatte mich sehr geärgert, denn es sah wieder dünner aus. Das erinnert mich an die Momente, dass ich in den Spiegel sehen wollte aber automatisch schon zurückschauderte, weil ich mich nicht extra enttäuschen wollte.

Im Bruchteil einer Sekunde wusste ich es: Mein Äußeres wird immer mehr aufs Spiel gesetzt, ab jetzt werden die Geheimratsecken wirklich zu groß und meine Glatze noch sichtbarer. Die einzige Möglichkeit war, mir die Haare à la Jules Deelder nach hinten zu kämmen, damit ich meine kahlen Stellen noch bedecken konnte. Erfolglos natürlich. Oder halt nicht mehr in den Spiegel und damit zugeben, dass es nicht mehr so wird wie früher, ist noch das Schlimmste.

Dass eine Frisur nicht mehr sitzt und du gefühlsmäßig nicht mehr repräsentativ bist, ist ein schlechtes Gefühl. Dass dein Selbstvertrauen auch davon betroffen wird ist aber ein nächster Schritt. Das Rausgehen kann schon problematisch sein, aber was machst du wenn es windig wird? Glücklicherweise gibt es die Kappe noch, die dich draußen rettet und an der du festhalten kannst. Eine Kappe steht auch noch gut und macht dich sogar jünger.

WIE LÖSE ICH DAS PROBLEM?

Nach langer Internetrecherche habe ich mich für zwei Optionen entschieden, nämlich:

A Haartransplantation

B Hair-Tattoo (Haarpigmentation)

Ich habe mich dafür entschieden, einen Monat später nach Barendrecht zu fahren, um mich bezüglich einer Haartransplantation beraten zu lassen, denn ich wollte mein altes Haar wieder zurück! Glücklicherweise wurde ich sehr sachverständig geholfen, aber nach dem Aufnahmegespräch wurde mir ganz ehrlich gesagt, dass die Klinik nichts für mich tun konnte. Mein Donorgebiet war für eine Haartransplantation zu klein und sie konnten mir NICHT helfen.

Auf dem Rückweg im Auto schaute ich meine Frau an. Vor mir häuften sich die grauen Wolken und innerlich war ich an dem Tag und in den Wochen nachher sehr enttäuscht. Was nun? Alle gut gemeinten Bemerkungen meiner Frau, zum Beispiel dass eine Glatze mir stehen würde, trafen meinen wunden Punkt. Meine Eigenwürde war in einem Tief! Im Rückspiegel schaute ich mir nochmal meinen Kopf an. Ich sah nur noch eine kahle, glänzende Kugel und meine Augen, Mund, Zähne, Kieferpartie und Form meines Gesichtes waren nicht mehr relevant.

ÜBERSTUNDEN SIND KEINE LÖSUNG

Eine meiner Überlebensstrategien ist, dass ich mich von meinen Problemen distanziere. Einfach mal an nichts denken, den Kopf in den Sand stecken und tüchtig weiterarbeiten. Am liebsten auch Überstunden machen, sodass ich nicht nachzudenken brauchte. Nachdenken, oder Grübeln, ist das Schlimmste, dass mir passieren kann und in meine Arbeit fliehen ist ein prächtiges Hilfsmittel dafür. Bis zum Moment, dass du im Vorübergehen eine Bemerkung eines Kollegen oder eines Freundes bekommst, die dich an dein altes Problem erinnert. Meist unbewusst nimmst du deinen Unfrieden mit, denn es gibt natürlich schlimmere Sachen in der Welt, aber so eine Bemerkung nagt an einem und wegstoppen kostet halt Energie!

PLAN B

Selbstverständlich suchte ich weiter nach einer Möglichkeit, etwas mit meinem Äußeren und vor allem meinem Haar zu tun. Ich traf die Entscheidung, auf meine Alternative zurückzufallen. Richtig, Plan B.

Plan B hatte ich schon eine Weile, denn ich wollte mein Haar echt gern wieder zurück. Weil das nicht mehr möglich war, habe ich angefangen, mich über Hair-Tattoo oder Haarpigmentation – abgekürzt mit MHP – zu informieren. Von hunderten Videos und Bildern die ich im Internet fand, gab es eine Person, die mir ähnlich war und deren Pigmentation mich wirklich beeindruckt hat.

TERMIN MIT KLINIKIKUM

Nachdem ich einen Termin mit einer Klinik im Westen der Niederlande vereinbart hatte, stellte sich heraus, dass mein großes Vorbild dort als Modell arbeitete. Ich war wirklich erstaunt! In Wirklichkeit sah seine Pigmentation besser aus als auf dem Bild und im Bruchteil einer Sekunde war ich überzeugt. Nach einem einstündigen Gespräch mit meinem Vorbild, habe ich mich danach sofort für einen Termin angemeldet. Ich habe mich nicht wiedererkannt. Mein Äußeres und meine Präsentation sind mir zwar sehr wichtig, aber vorab hatte ich mir nicht denken können, dass ich so schnell eine ästhetische Wahl treffen würde. Auch sah ich an diesem Tag der offenen Tür live eine Behandlung und konnte sofort viele Fragen stellen, meist technische: Wie werden die Behandlungen inhaltlich stattfinden, usw.

LIFE-CHANGING

Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich meine Haarprobleme losgeworden bin. 14 Jahre war ich unzufrieden mit meinem Aussehen. Vor allem die letzten Jahre waren der Höhepunkt des Verschleierns meines Haares. Der Tag war noch nicht begonnen, oder ich trug meine Kappe schon.

Oft habe ich das Ding bei unpassenden Gelegenheiten getragen, wie zum Beispiel Geburtstage, Partys und im Theater. Sogar meine Frau hatte mich mit Kappe schon völlig akzeptiert.

Jetzt kann ich endlich sagen, dass ich mein Haar wieder zurückbekommen habe, eigentlich die Illusion des Haares! Wenn ich morgens aufstehe, muss ich mein Haar nicht mehr frisieren, ich brauche keinen Haargel mehr und bin meine kahle, glänzende Kugel endlich losgeworden.

Ein wichtiger, zusätzlicher Effekt ist, dass ich mein Selbstvertrauen dank MHP wieder zurückbekommen habe. Ich habe bemerkt, dass ich erneut Energie hatte und viel mehr Lust hatte, etwas mit anderen zu unternehmen. Schließlich betrachte ich MHP als eine Win-Win-Situation und ich wurde wieder ein netterer Mensch: nicht nur für mich, aber auch für den anderen… kurz: Life-Changing… und das gönn ich den anderen auch.